Negreanu

Was du von Poker Profi Daniel Negreanu lernen kannst

Im Blick über den Tellerrand geht es heute um den Pokerprofi Daniel Negreanu.

„80 % Analysis – 20% Playing“

Früh in seiner Karriere spielte Negreanu verhältnismäßig wenig, analysierte dafür umso mehr deine „Hände“. Heutzutage, wenn er andere Spieler coacht, wird zum Teil nur eine einzige Hand analysiert, dafür aber mehrere Stunden. „Gerade zu Beginn der Karriere muss man das Spiel erstmal von Grund auf verstehen. Lerne so viele Details wie möglich. Danach geht es darum, alles anzuwenden und Erfahrungen damit zu sammeln.“

Learning für Trainerinnen & Trainer: Natürlich ist es wichtig, Erfahrungen auf dem Platz zu sammeln, zu coachen, Training zu gestalten etc.. Der Ausgangspunkt, auf dem du deine Erfahrungen aufbaust, ist allerdings dein Wissen.

Ganz einfaches Beispiel: Du bist zwei Jahre lang Trainer ohne jede Lizenz oder Ausbildung. Du sammelst also zwei Jahre Erfahrung. Nach zwei Jahren machst du eine Aus– oder Fortbildung. Auf einmal siehst du Dinge auf eine ganz andere Art und Weise und viele Erfahrungen „waren umsonst“. Dein Wissen ist die Basis – arbeite daran!

„Focus on one Table at a Time”

Im Online-Poker werden häufig viele Hände gleichzeitig gespielt. Mit der Anzahl der gespielten „Tische“ sinkt das Spielniveau allerdings. „Häufig ist es doch so, dass man simple und grundsätzliche Strategien spielt. Das kann funktionieren, aber entwickelt einen nicht wirklich weiter.“ Negreanu glaubt, dass es sinnvoll ist, so viele Tische zu spielen wie möglich und trotzdem noch die höchste Qualität anzubieten.

Learning für Trainerinnen & Trainer: Gerade im Amateurbereich sind wir für alles da. Vom Bälle aufpumpen bis zur Spieltaktik. Wir wissen, wie schwer es ist…

Versuch dich trotzdem so zu organisieren, dass du dich auf das fokussieren kannst, indem du besser werden willst. Auch: Mach einen Schritt nach dem anderen. Kein Trainer der Welt hat angefangen und konnte sofort perfekt Training planen, es durchführen, Besprechungen durchführen, Spieltaktik planen und gute Interviews geben. Konzentriere dich zunächst auf eine Sache und geh dann weiter!

“Ich musste meine Eltern überzeugen. Ich habe jeden Cent aufgeschrieben und wofür ich ihn gebraucht habe. Jeder Stift wurde verzeichnet und meinen Eltern vorgelegt. So konnte ich meine Eltern überzeugen, dass ich mit Poker Geld verdienen kann.“

“What is your opponent’s Range?”

Im Poker wird viel über „Ranges“, also „Reichweiten“, gesprochen. Diese sollen einfach nur die Frage beantworten, welche Karten beim Gegner vermutet bzw. welche Karten in welchen Situationen von diesem gespielt werden. Negreanu gilt dabei als der beste Poker -Spieler, wenn es darum geht, die Range und damit letztlich die Karten des Gegners herauszufinden. Natürlich spielt viel Erfahrung eine Rolle, aber eben auch konkretes Wissen: Welche Karten spielen die meisten Spieler in welcher Situation? Welche Karten würde ich in seiner Situation spielen?

Learning für Trainerinnen & Trainer: Bisschen abstrakt, aber in der Gegneranalyse interessant. Bin ich mir bewusst, was grundsätzlich überhaupt auf mich zukommen kann? Was sind die grundsätzlichen Stärken eines Gegners? Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was eine Mannschaft grundsätzlich an Stärken und Schwächen hat und dem, was sie vielleicht in einer Szene oder einem Spiel gezeigt haben. Versetze dich in den gegnerischen Trainer: „Wie würdest du mit seiner/ihrer Mannschaft spielen?“

„Concept of Tilt“

Wer kennt noch die älteren Windows PC mit dem vorinstallierten Pinball – Spiel? Wenn die Kugel zwischen den beiden Flippern hängen bleibt und immer wieder von rechts nach links flippt, nennt Negreanu das „Tilt“. Er vergleicht die Situation im Poker mit Spielern, die eine große Breite an Emotionen zeigen und sich am Tisch nicht mehr im Griff hat. Dafür gibt es eine Reihe an Gründen: Schlechte Performance in der letzten Hand, viele verlorene Runden am Stück, Provokation am Tisch und vieles mehr. Der entscheidende Punkt ist, dass dieser Spieler aus der Emotion keine guten Entscheidungen mehr treffen wird. Er geht sogar noch einen Schritt weiter. Die wirklich guten Spieler laufen niemals „Tilt“ und provozieren das sogar in anderen. Diese Disziplin sich immer im Griff zu haben, ist für Negreanu die wichtigste Fähigkeit eines Spielers.

Learning für Trainerinnen & Trainer: Wir alle kennen Kollegen, die „tilt“ an der Seitenlinie gehen? Bist du einer von ihnen und merkst es vielleicht gar nicht? Frag neutrale Beobachter rund um das Spiel, zur Not kannst du dich auch filmen.

„Die wichtigste Fähigkeit, die du haben kannst, ist Disziplin. Egal wie gut du bist, Poker ist unfassbarer Stress, wenn du dich davon beeinflussen lässt, bist du kein guter Spieler. Talent allein ist nicht genug.“

Daniel Negreanu verdiente über 40 Millionen Dollar in Preisgeldern (Joe Giron | Credit: Joe Giron Photography)

„The next Round always starts new”

Im direkten Zusammenhang mit „Tilt“ steht die Erkenntnis, dass jede Runde immer wieder bei null startet. Neue Karten, gleiche Wahrscheinlichkeiten. Je weniger Emotionen uns beeinflussen, desto eher können Spieler das erkennen und „sauber weiterspielen“. Selbst nach einer katastrophalen Hand versucht Negreanu, sich wieder in „Balance“ zu bringen. Er erlaubt sich dabei, sich kurz aber intensiv aufzuregen, „um den Ärger aus dem System zu bekommen.“ Häufig schließt er dafür kurz die Augen am Tisch, kann sich dafür aber im Anschluss wieder frisch auf die nächste Hand konzentrieren.

Learning für Trainerinnen & Trainer: Fußball ist ein emotionales Spiel und wir lieben es so. Um aber die besten Ergebnisse (im Sinne von Entwicklung, aber auch von Punkten) zu erzielen, müssen wir ein Teil der Emotionalität einordnen. Wie häufig hängen wir uns als Trainer an einer einzigen Situation im Training oder Spiel auf? Wie häufig kommt es vor, dass ein Trainer noch Tage später einem Spieler „den einen Fehler“ vorwürft. Erlaube dir, dich aufzuregen, fokussiere dich dann aber wieder auf die Situation. Deine Spielerinnen und Spieler danken es dir.

“No always – no Nevers”

Keine Strategie, kein Plan, kein Prinzip gilt immer. Es gibt keine ultimativen Regeln in Poker. Wie auch: Wenn es eine ultimative Strategie gäbe, würde keiner spielen. Natürlich braucht jeder Spieler grundsätzliches Wissen und Prinzipien und wird sich auch in 90% aller Spiele darauf verlassen können, trotzdem muss jeder Spieler die Flexibilität haben, die eigenen Regeln zu brechen.

Learning für Trainerinnen & Trainer: Schaffe dir eine klare Basis an Prinzipien und Werten, nach denen du die meiste Zeit handelst, ohne bei absoluten Ausnahmen auch Abweichungen zuzulassen.

„Success is living an integral Life”

Erfolg in seinem Leben beschreibt Negreanu wie folgt: „Für mich ist Erfolg nicht gebunden an ein Dollarzeichen. Für mich bedeutet Erfolg ein integres Leben zu führen. Ich will das machen, was ich sage: anderen und mir gegenüber. Wenn ich das schaffe, bin ich erfolgreich. Siege beim Poker sind nur ein Kollateralnutzen.“

Learning für Trainerinnen & Trainer: Das lassen wir einmal so stehen…

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